Lass’ mal werden, wer wir sein wollen

Agenturchefin Katrin Möllers spricht über Karrierechancen und Vorurteile in der PR-Branche und wie man sich darin selbst findet.

Für manche kommt er viel zu langsam, für andere schneller als ihnen lieb ist: der Universitätsabschluss. Gerade hat man noch die Abschlussarbeit mit seinen Kommilitonen euphorisch in der Kneipe begossen und schon schleicht sich die Frage an, die so manchen Absolventen wieder unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückholt: Und was nun? Dabei sind es häufig nicht die Mediziner, Lehrer oder Juristen, die nun die Weichen für ihre berufliche Zukunft stellen müssen. Oft sind es diejenigen, die sich dazu entschlossen hatten, „irgendwas mit Medien“ zu studieren. Einigen wird erst mit dem Abschluss in der Tasche bewusst, dass sich die Räder der Kommunikationsbranche schneller drehen als ihnen lieb ist.

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Dabei wollen die Sprösslinge der Generation Y nicht nur arbeiten, sie wollen mehr. Die Zeiten, in denen man von nine-to-five im Büro sitzt und um Punkt 17 Uhr zufrieden den Stift fallen lässt, sind längst vorbei. Arbeit muss mittlerweile die Welt verbessern, ins Lebenskonzept passen und natürlich noch lukrativ sein. Erfüllung scheint wichtiger als Karriere, Selbstverwirklichung wichtiger als Feierabend.
Doch so konkret die Berufsvorstellungen der heutigen Generation sein mögen, so vielfältig sind auch die Jobs- und Stellenausschreibungen. Was passt zu mir? Wo steige ich am besten in die Kommunikationsbranche ein? Bin ich eher der Konzern- oder Agenturtyp? Und wie sieht der Agenturalltag überhaupt aus?

PRtransfer hat mit Katrin Möllers gesprochen und ihr genau diese Fragen gestellt. Sie ist Geschäftsführerin von Ansel & Möllers, einer inhabergeführten Kommunikationsagentur in Stuttgart und bringt im Interview Licht ins Dunkel.


PRtransfer: Frau Möllers, als Agentur mit jahrzehntelanger Erfahrung hat sich „Ansel & Möllers“ professionelle Markenkommunikation auf die Fahne geschrieben. Was genau erwartet mich als Berufseinsteiger in den ersten Monaten bei Ihnen im Agenturalltag?

Katrin Möllers: Ganz einfach gesagt: Vielfalt. Bei uns in der Agentur wird es nie langweilig. Strategische Entscheidungen zu treffen und passende Geschichten zu erzählen, ist unser täglich Brot. Berufseinsteiger lernen bei uns von der Pieke auf, wie sie journalistisch hochwertigen Content für unsere Kunden produzieren. Dabei sind sie vom ersten Tag an ein vollwertiges Teammitglied. Das heißt: Sie werden von ihren Mentoren zur Eigenverantwortung ermutigt, betreuen eigene Projekte, erfahren Wertschätzung und können sich bei uns im Agenturalltag individuell entfalten.

Prtransfer: Das bedeutet aber, dass man bei Ihnen nicht direkt als Junior-Berater in die Agentur einsteigen kann, sondern zuvor noch ein Volontär- oder Traineeprogramm durchlaufen muss?

Katrin Möllers: Exakt. Qualität ist unser oberstes Gebot, dem wir nur durch exzellente Nachwuchsausbildung gerecht werden können. Deshalb haben wir unser 18-monatiges Volontärprogramm ins Leben gerufen. Uns ist es enorm wichtig, dass sich unsere neuen Köpfe selbst ausprobieren können, ein breites Know-how entwickeln und am Ende ihrer Ausbildung dann die richtigen Geschichten schreiben, die von den richtigen Leuten gelesen werden. Unser Ausbildungsplan sieht für Volontäre und PR-Junioren ein großes Portfolio vor: Interne Schulungseinheiten, externe Coachings wie Gespräche mit Bloggern, Grafikdesignern und vieles mehr.

PRtransfer: Nachwuchsförderung und kontinuierliche Weiterbildung wird bei Ihnen in der Agentur also großgeschrieben, jedoch variieren die Ausbildungskonditionen in der Agenturlandschaft massiv. Gibt es Ihrer Meinung nach einen Königsweg, an dem sich alle orientieren sollten?

Katrin Möllers: Gerade für Bewerber wäre es natürlich schön, wenn es den einen Weg gäbe oder zumindest gewisse Standards, auf die man sich verlassen kann. Leider sucht man die ja meist vergebens. Meiner Meinung nach können Agenturen jedoch in nichts sinnvoller investieren als in den eigenen Nachwuchs, denn Qualität muss ausgebildet werden.

PRtransfer: Wer in die Kommunikationsbranche einsteigen möchte, kann das ja nicht nur über die Agentur, sondern auch über einen Konzern tun. Sie selbst haben zuvor als Pressesprecherin bei diversen Unternehmen gearbeitet, bevor Sie auf die Agenturseite gewechselt sind. Was würden Sie uns als künftige Berufseinsteiger raten: Wo sollen wir starten? Im Unternehmen oder in der Agentur?

Katrin Möllers: Das ist richtig. Mich hat es zunächst in den Europapark Rust als Pressesprecherin verschlagen, bevor ich mich mit meiner Agentur selbstständig gemacht habe.
Ob man nun besser in der Agentur oder im Unternehmen in die Branche einsteigt, kann ich so pauschal nicht beantworten. Ich denke, dass die Antwort auf die Frage vor allem damit zusammenhängt, wie man als Mensch tickt, in welchem Umfeld man gerne arbeiten möchte und welche Themen einen persönlich ansprechen.

PRtransfer: Was erwarten Sie dabei genau von jungen Menschen, die bei Ihnen einsteigen wollen? Aus welchem Holz sollten die Bewerber geschnitzt sein?

Katrin Möllers: Hier ist für uns das wichtigste Stichwort Neugierde. Typische Agenturmenschen wollen ständig am Puls der Zeit arbeiten, haben Interesse an neuen Entwicklungen und vor allem den Anspruch an sich selbst, nie stillzustehen. In der Agentur wächst man mit seinen Aufgaben, kann sich ausprobieren und herausfinden, in welchem Bereich man gerne arbeitet. Der Wunsch nach beruflicher und persönlicher Weiterentwicklung ist für mich deshalb die Grundvoraussetzung, dass man im Agenturalltag aufblüht und darin seine Berufung findet.

PRtransfer: Welches Vorurteil über die Arbeit in einer Agentur können Sie nicht mehr hören?

Katrin Möllers: Unzumutbare Arbeitszeiten gekoppelt mit wenig Geld am Monatsende sind wohl tatsächlich die typischen Vorurteile, die mir regelmäßig begegnen. Als Agenturinhaberin versuche ich natürlich dem negativen Ton entgegenzusteuern und gerade Studenten dazu zu ermutigen, genauer hinzusehen und nicht alle Agenturen über einen Kamm zu scheren.

PRtransfer: Man hört ja aber tatsächlich immer wieder Horror-Stories von Agenturen, in denen Berufseinsteiger zwölf Stunden täglich arbeiten und dabei kaum etwas verdienen. Wie sind die Arbeitsbedingungen bei Ansel & Möllers?

Katrin Möllers: Bei uns in der Agentur brütet niemand bis nachts um drei Uhr über Presse-Clippings, im Gegenteil: Flexible Arbeitszeiten und effizientes Zeitmanagement werden bei uns großgeschrieben. Nach 18 Uhr sind die Flure in unserer Agentur schon ziemlich leergefegt. Auch im Homeoffice oder in Teilzeit zu arbeiten, ist bei uns kein Problem. Außerdem haben wir ein wirklich tolles Team, das auch über den Feierabend hinaus gerne zusammensitzt. Was die Bezahlung angeht, können wir mit Großkonzernen natürlich nicht mithalten, gerade in den ersten Arbeitsjahren.

PRtransfer: In unserem Studiengang sind wir vor allem Frauen – und auch die Branche ist mehrheitlich weiblich. Für viele stellt sich dabei die Frage, ob sich eine Karriere in der Kommunikationsbranche und Familie miteinander vereinen lässt. Wie ist das bei Ansel & Möllers: Vollwertiger Mitarbeiter in der Agentur sein und Familie haben – geht das?

Katrin Möllers: Ich glaube, ich spreche dabei für das gesamte Team, wenn ich hier noch einmal betone, dass flexible Arbeitszeiten und Freiräume bei uns großgeschrieben werden. Einige von uns sind junge Mütter, die in Teilzeit oder auch aus dem Home-Office arbeiten, eine Bloggerin arbeitet sogar ganz von zuhause aus.

PRtransfer: Wie steht es bei Ihnen in der Agentur denn allgemein um den Männer- und Frauenanteil?

Katrin Möllers: (lacht). Da bedienen wir wohl das Klischee der Kommunikationsbranche ziemlich gut, denn auch wir haben einen sehr hohen Frauenanteil. Unser Agenturhund Henry poliert die Männerquote allerdings wieder etwas auf.

PRtransfer: Gibt es abschließend noch etwas, das Sie uns, als zukünftige Berufseinsteiger in die Kommunikationsbranche, mit auf den Weg geben möchten?

Katrin Möllers: Seid neugierig, mutig und werdet euch vor allem darüber bewusst, wer ihr sein wollt und was ihr von euch selbst und eurem zukünftigen Arbeitgeber erwartet. Denn nur dann könnt ihr euch weiterentwickeln und beruflich den Weg einschlagen, der wirklich der Richtige für euch ist.

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