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Künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag

Lesedauer: 4 Minuten

Kurzinterview mit Paula Accordi

Paula Accordi

Senior Specialist CEO Communications bei SAP

Credit: Anna Jäpel
Credit: Anna Jäpel

PRtransfer: Hallo Paula, könntest du uns zum Einstieg bitte kurz erzählen, was du beruflich machst und was dich aktuell so bewegt?

Paula Accordi: Ich arbeite seit Mai 2023 in der CEO-Kommunikation bei SAP. Ich bin sehr begeistert von den Entwicklungen im Bereich der generativen Künstlichen Intelligenz und sehe die Technologie als Quantensprung – auch in der PR-/Kommunikationsbranche.

PRtransfer: Gerade ist KI ja in aller Munde und vor allem die Kommunikations-/PR-Welt beschäftigt sich intensiv damit. Inwiefern treten KI oder verschiedene Tools in deinem Arbeitsalltag in Erscheinung?

Paula Accordi: Bei SAP nutzen wir ChatGPT eingebettet in unserem „AI Playground“, einer sicheren Plattform, die es unseren Mitarbeitenden ermöglicht, mit KI zu experimentieren und die Anwendung für verschiedene Aufgaben in der Kommunikation zu nutzen. Z. B. kann ich eine lange Pressemitteilung in wenigen Sekunden in eine kurze Executive Summary umwandeln und spare mir dadurch sehr viel Zeit. In der Vergangenheit habe ich aber auch schon mit vielen weiteren Tools herumexperimentiert: Die KI-Integration „Generative Fill“ in Photoshop beispielsweise macht die Grafikerstellung und Bildbearbeitung zu einem Kinderspiel. Oder „Adobe Podcast“: Das Tool rettet binnen Sekunden schlechte Tonaufnahmen und wandelt sie kurzerhand in Studioqualität um.

PRtransfer: KI wird ja auch kritisch betrachtet. Wie stehst du dazu? 

Paula Accordi: Grundsätzlich stehe ich KI positiv gegenüber. Gleichzeitig bin ich mir auch der Herausforderungen bewusst, die mit ihrer Nutzung einhergehen. Es ist entscheidend, dass wir die Potenziale und Auswirkungen von KI sorgfältig analysieren und ethische Aspekte berücksichtigen. Es gibt durchaus legitime Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre, des Missbrauchs und der Verzerrung oder Diskriminierung, die durch schlecht trainierte KI-Systeme entstehen können. Deswegen sollte man KI immer verantwortungsvoll nutzen. Mir hilft dabei der Satz: „If it’s free, you are the product.” So gehe ich auch an die Nutzung von KI heran: mit viel Vorsicht. 

PRtransfer: Was gibt es deiner Meinung nach bei der Arbeit mit ChatGPT für Nachteile und Gefahren zu beachten?

Paula Accordi: Ein wichtiger Aspekt ist die anonymisierte Verarbeitung von Daten. Bei SAP haben wir klare Regeln und Richtlinien etabliert, dass keine personenbezogenen Daten in unseren AI-Playground eingehen dürfen. Mit unseren Konfigurationen stellen wir sicher, dass die Daten ausschließlich im Kontext der Abfrage verarbeitet und nicht für andere Zwecke verwendet werden. Der Schutz der Privatsphäre und der sensiblen Informationen unserer Mitarbeitenden, Kunden und anderer betroffener Personen hat oberste Priorität.

Diese Leitplanken empfehle ich bei jeglicher Nutzung von KI, auch im privaten Bereich. Ich würde zum Beispiel niemals meinen Namen oder Wohnort preisgeben, sondern arbeite stets mit Pseudonymen oder Umschreibungen.

PRtransfer: Trotz des Hypes denken viele, dass gerade Berufe in der Kommunikationsbranche durch KI ersetzt werden könnten. Wie stehst du persönlich dazu?

Paula Accordi: „Nicht die KI wird dir den Job stehlen, sondern die Person, die Experte im Bereich KI ist“ – dieser Satz hat sich bei mir eingebrannt. Ich glaube, dass uns KI dabei unterstützen kann, effizienter zu arbeiten und uns mehr Zeit für strategische Fragen zu nehmen. KI ersetzt nicht die Menschen, sondern eröffnet neue Möglichkeiten und erfordert eine Anpassung unserer Fähigkeiten. Durch den Einsatz von KI können wir uns auf kreativere und anspruchsvollere Aufgaben konzentrieren, während uns KI bei routinemäßigen oder zeitaufwändigen Tätigkeiten unterstützt.

PRtransfer: Und noch ganz zum Schluss: Was ist dein Lieblings-Tool und welche Tipps und Tricks kennst du, welche uns allen die Arbeit erleichtern? Was würdest du Kowi-Studierenden und Praxisschaffenden zum Schluss noch raten?

Paula Accordi: Mein Lieblings-Tool ist definitiv Midjourney, mit dem man eindrucksvolle Bilder erstellen kann. Sobald man die richtigen Prompts raus hat, kann man auf der Plattform Stunden verbringen. Anstatt 08/15-Geburtstagskarten zu verschenken, erstelle ich jetzt individuelle Kunstwerke für meine Freunde und Familie.

Mein Rat an Kowi-Studierende und Praxisschaffende ist es, sich in KI weiterzubilden und am Zahn der Zeit zu bleiben. Es gibt viele kostenlose Webinare und Newsletter online, die einem helfen können, die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit KI zu verbessern. Natürlich können KI-Systeme auch eine gute Unterstützung bei Abschlussarbeiten sein, z. B. bei der automatisierten Transkription von Interviews. Aber auch hier ersetzt KI nicht die Eigenleistung. Egal ob im Beruf, im Studium oder im Privatleben: Wir sollten immer die Kontrolle über die Ergebnisse behalten und unsere menschliche Intuition, Kreativität und Fachkenntnis einbringen. Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von KI ist für mich, wie der Mensch mit der KI interagiert, nicht was die KI einem alles abnehmen kann.

PRtransfer: Danke für das Interview.

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