5 Fragen an… Alexander Praun & Wolfgang Schweiger

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Experten plaudern aus dem Nähkästchen: Wissenschaftler und Praktiker beantworten Fragen zur Arbeit in der Kommunikationsbranche.

Ein Handschlag

PRTransfer: Wer sind Sie?

Alexander Praun: Ich bin stellvertretender Geschäftsführer bei Communication Consultants, eine auf B2B-Kommunikation spezialisierte PR-Agentur in Stuttgart. Dort betreue ich einige Großkunden und kümmere mich um das Business Development und die Strategie-Entwicklung. Zudem unterrichte ich seit bald zehn Jahren an der Uni Hohenheim und der Hochschule der Medien in Stuttgart.

Wolfgang Schweiger: Ich leite den Lehrstuhl für Online-Kommunikation an der Universität Hohenheim. PRtransfer habe ich bereits an der TU Ilmenau mit dortigen Studierenden gegründet und freue mich, dass es in Hohenheim mit unseren Master-Studierenden und dank der Unterstützung von Alexander Praun von den Communication Consultants so toll wächst und gedeiht. 

Organisatorischer Leiter Alexander Praun
Organisatorischer Leiter Wolfgang Schweiger

 

PRTransfer: Welche Themen und Kommunikationstrends beschäftigen Sie aktuell?

Alexander Praun: Datengetriebene PR in der Praxis. Da gibt es unglaublich tolle Möglichkeiten – wenn man Daten richtig einsetzt. Dazu muss man allerdings Analyse, Strategie und Evaluation neu aufsetzen. Jetzt mal hübsch das Etikett „Data-driven“ auf den traditionellen Strategie-Prozess draufkleben, bringt gar nichts. Zudem muss das praktikabel sein und daran hapert es oft noch. Daher arbeite ich gerade daran, datengetriebene PR in der Praxis mit meinen Kunden umzusetzen. Ganz konkret im Bereich Reputationsmanagement und der qualitativen Evaluation.

Wolfgang Schweiger: Wo fängt man da an? Mich beschäftigt, wie sich die Kanäle verändern, über die sich viele Menschen zu Nachrichten und sonstigen politisch relevanten Themen informieren und die damit einhergehende (Des-)Informiertheit und Meinungsbildung. Auch die Vertrauenskrise in Teilen der Bevölkerung, die nicht nur Medien, sondern auch die Wirtschaft und andere Eliteakteure betrifft, treibt mich um.

PRTransfer: Was reizt Sie an der Arbeit in der Kommunikationsbranche?

Alexander Praun: Wenn ich das jetzt mal mit der Brille eines Agentur-Vertreters sehe: Die Vielfalt der Themen, die Kreativität und die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bringt. Ich finde es toll, mich immer wieder in neue Themen und Kunden einzuarbeiten – täglich lerne ich dazu. Kreativ zu arbeiten ist zwar fordernd auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber unglaublich erfüllend – ich erschaffe quasi täglich etwas Neues und verwalte nicht nur Bestehendes. Und wie ich eingangs schon mit der datengetriebenen PR angedeutet habe, die Digitalisierung verändert auch mein Berufsbild und das finde ich großartig.

Wolfgang Schweiger: Eben solche Fragen zu stellen und teilweise mit empirischen Methoden und kritischer Analyse beantworten zu können, reizt mich sehr. Mich reizt aber auch der ständige Austausch mit Kommunikationspraktikern – also Journalisten, PR- und Werbeleuten – Menschen im politischen Feld und nicht zuletzt mit Studierenden, aus dem ich viel lerne.

PRTransfer: Welchen Medienkanälen folgen Sie auf sozialen Netzwerken? Warum?

Alexander Praun: Privat einem bunten Strauß meiner Interessen. Sport, Musik, Kunst und ein wenig leichte Unterhaltung. Beruflich den üblichen Verdächtigen der Branche: Allen wichtigen Tageszeitungen und Branchenmagazinen, den wichtigsten Agenturvertretern und sonstigen Kreativen. Und ein paar Exoten und Selbstdarstellern, von denen ich nicht mehr weiß, warum ich mit ihnen verbunden bin, die mich aber immer wieder staunen oder den Kopf schütteln lassen.

Privat ist es eine Mischung aus Kontakt halten, Neugier und feierabendlicher Zerstreuung.

Beruflich Marktbeobachtung und Ausschau nach Trends. Und das über LinkedIn, Instagram, Facebook, Xing in Teilen und Twitter weniger intensiv.

Wolfgang Schweiger: Notdürftig und wenig lustvoll schaue ich alle paar Wochen bei Twitter, Xing, LinkedIn und ResearchGate (internationale Wissenschaftler-Plattform) rein. Etwas häufiger versuche ich zu verstehen, was junge Menschen an Instagram toll finden. Und auf YouTube bin ich alle paar Tage. Beinahe täglich besuche ich – immer noch – Facebook, das aber eher aus politischem Interesse denn aus privatem.

PRTransfer: Stichwort Wissenschaft für die Praxis. Was könnte man Ihrer Meinung nach am Austausch zwischen Forschung und Praxis noch verbessern?

Alexander Praun: Weniger Forschung zum Selbstzweck, sondern Forschung, die den Markt vorbereitet und nicht dem Markt hinterherhinkt. Die Ergebnisse müssten dann so aufbereitet werden, dass Praktiker auch Lust darauf bekommen. Also im Prinzip das, was wir mit PRtransfer machen. Zudem wünsche ich mir eine engere Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Agenturen. Und zwar inhaltlicher Art. Und nicht bloß fürs Recruiting, wie das viele Unternehmen und Agenturen betreiben.

Wolfgang Schweiger: Ich finde der Austausch zwischen Forschung und Praxis funktioniert besser als es Praktiker und Forscher oft beklagen. Natürlich hat nicht jeder Forscher Lust auf Praxis und Wissenstransfer, denn das Wissenschaftssystem ist tatsächlich eine Welt für sich. Es gibt aber viele Wissenschaftler, die sich mit ihren Ergebnissen und Kompetenzen in den öffentlichen Austausch stürzen. Und es gibt viele Praktiker, die sich für ihre Systematiken, Befunde und Erfahrungen interessieren. Eben diesen Austausch soll PRtransfer ja anregen!

PRTransfer: Welche Tipps geben Sie Einsteigern in der Kommunikationsbranche mit auf den Weg?

Alexander Praun: Sammelt Erfahrungen. In Unternehmen – B2B und B2C – und in Agenturen. Arbeitet als Werkstudenten auch mal länger als ein paar Monate in einem Unternehmen. Nehmt euch Zeit, um herauszufinden, was euch dauerhaft erfüllt. Kreativ in einer Agentur arbeiten, Kommunikations-Management in Unternehmen, Selbstständigkeit, Social Media Experte, …? Und überhaupt muss man mit 23 nicht den Master, ein Dutzend Praktika und ein abgeschlossenes Traineeship/Volontariat in der Tasche haben. Also, nicht hetzen lassen und lieber Erfahrung sammeln.

Wolfgang Schweiger: Informiert und bildet euch breit, nicht nur in dem Feld, in dem ihr mal arbeiten wollt. Hinterfragt scheinbare Gewissheiten! Wenn ihr später beim Jobinterview, beim Akquise-Gespräch mit Kunden oder bei der Agentur-Weihnachtsfeier ausschließlich und nur unkritisch über eure Arbeit sprechen könnt, will keiner länger mit euch reden. Und überlegt euch, was euch wirklich interessiert. Der Job bei der tollsten Arbeitgebermarke kann reichlich sinnlos, öde und frustrierend sein. Nicht umsonst fragen Unternehmen derzeit verstärkt nach ihrem eigentlichen „Purpose“.

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