Networking im Sinne des Arbeitgebers

Networking

Key Facts

  • Mitarbeitende prägen das Employer Branding durch ihren eigenen Online-Auftritt mit.
  • Die Social-Media-Kompetenz der Mitarbeitenden ist essenziell für Unternehmen und sollte aktiv gefördert werden.
  • Um das Wohlbefinden und die Leistung der Mitarbeitenden zu steigern muss aus Marketingsicht verstärkt eine interne Perspektive eingenommen werden.

 

Networking ist das Schlagwort, wenn es heute um beruflichen Erfolg und Karrierechancen geht. Das früher oft verpönte „Vitamin B“ war schon immer ein Türöffner, der die Karriere vorantreibt. In der jetzigen Arbeitswelt vernetzen sich Kolleg:innen besonders über LinkedIn und Xing, um sich auszutauschen, ihr Wissen zu erweitern und nicht zuletzt, um sich selbst darzustellen. Social Media hat sich endgültig im modernen Arbeitsleben etabliert. Das Forschertrio widmet sich in der vorliegenden Studie daher der Social-Media-Kompetenz der Mitarbeitenden und ihren Folgen.

Doch was haben die Unternehmen davon?

Mitarbeitende repräsentieren online nicht nur sich selbst, sondern immer auch ihr Unternehmen. Sie sind die Schnittstelle zwischen Unternehmen und Außenwelt, denn sie treten in den direkten Kontakt zu Kunden und anderen Stakeholdern. Für das Employer Branding bilden sie daher einen wichtigen Baustein für die Entwicklung und Aufrechterhaltung der Reputation als Arbeitgebermarke.

Online auf der Suche nach sich selbst

Wenn Angestellte sich im Netz frei inszenieren dürfen, ist ein weiter Spielraum gegeben. Mitarbeitende nutzen soziale Medien primär, um Netzwerke mit anderen, insbesondere ihren Kolleg:innen aufzubauen. Dies ist eine Form der Identitätsbildung, die durch das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Stärkung der Selbstidentität getrieben wird. Sie schließen sich Gruppen an, um ihr Selbstbild zu entwickeln und knüpfen starke Bindungen mit anderen, die sehr ähnliche persönliche Eigenschaften oder Interessen haben, wodurch eine Gruppenidentität entsteht. Schwache Bindungen hingegen bilden sich vor allem zwischen unähnlichen Personen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen wie zwischen Praktiker:innen und Forschenden. Oft bringen diese schwachen Bindungen aber einen erheblichen Mehrwert im Berufsleben, weil sie neue Perspektiven eröffnen.

Kein Gewinn ohne Risiko

Gleichzeitig kann die Social-Media-Nutzung für den Mitarbeitenden selbst, dessen Kolleg:innen und letztlich auch für die Arbeitgebermarke schädlich sein. Ein missglückter Post hat schon zu Kündigungen geführt, wie im Beispiel eines Flugbegleiters, der sich öffentlich rassistisch über Fluggäste äußerte. Um die Mitarbeitenden als positive Arbeitgeberkommunikator:innen zu nutzen, ist somit ihre Medienkompetenz ein zentraler Faktor.

Erst nach innen, dann nach außen

Um dafür zu sorgen, dass ein starkes Arbeitgebermarkenimage nach außen transportiert werden kann, muss zunächst intern eine gute Beziehung zwischen Mitarbeitenden und ihrem Unternehmen bestehen. Die daraus resultierende Unterstützung, sowohl emotional als auch kompetenzbasiert, kann wiederum positive Auswirkungen auf die Leistung und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden haben. Besonders Unterstützungssysteme, die die Zufriedenheit und die Resilienz gewährleisten, sind in diesem Zusammenhang essenziell, gerade auch im Kontext der Covid-19-Pandemie. Es ist also wichtig, die psychologischen Aspekte der Beziehung eines Mitarbeitenden zur Arbeitgebermarke zu stärken.

Social-Media-Kompetenz aktiv fördern

Viele Unternehmen gehen davon aus, dass insbesondere die jüngere Generation über Kompetenzen im Umgang mit sozialen Medien verfügt. Doch diese Annahme sollte überdacht werden, wenn Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil erzielen und die Reputation in einer digitalisierten Umgebung schützen wollen. Es muss ein interner Social-Marketing-Ansatz etabliert werden, der gezielt in den Ausbau der Online-Kompetenzen von Mitarbeitenden investiert.

Perspektivwechsel im Marketing

Das Ziel, eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen, liegt also grundsätzlich darin, das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten. Gleichzeitig sollte aber auch die adäquate Entwicklung verantwortungsvoller Social-Media-Kompetenz im Vordergrund stehen. Dazu gehört beispielsweise eine technische Orientierung wie Privatsphäre-Einstellungen oder auch sozio-kommunikative Aspekte wie ein Bewusstsein für mögliche Auswirkungen zu schaffen. So kann mithilfe einer internen Marketingperspektive ein verantwortungsvoller Umgang mit den sozialen Medien gewährleistet und auf die Reputation der Arbeitgebermarke eingezahlt werden.

Methode Symbol

  • Quantitative Online-Umfrage mit Mitarbeitenden aus der britischen Dienstleistungsbranche     
  • 309 Teilnehmende 

 

 

 

Weiterlesen: Yoganathan, V., Osburg, V.‐S. & Bartikowski, B. (2021). Building better employer brands through employee social media competence and online social capital. Psychology & Marketing, 38(3), 524–536. 

 

AutorIn
Nina Müller

 
 
 
 

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