Durch Improvisation zur erfolgreichen Strategie

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Wie Veränderungen nicht als Bedrohung, sondern als Chance für neue Ideen genutzt werden können.

Jeder kennt sie: Personen, die anscheinend in jeder Situation wissen, was zu tun ist, ohne dass sie sich groß auf den Sachverhalt oder eine anstehende Entscheidung vorbereitet haben. Solche Personen sind häufig auch in den Kommunikationsabteilungen von Unternehmen anzutreffen. Doch was zeichnet diese Persönlichkeiten aus?

Nicht jeder Kommunikationspraktiker kann zum sogenannten strategischen Improvisateur werden. Es gibt jedoch gewisse Rahmenbedingungen aus Unternehmens- und Kommunikatorensicht, die strategische Improvisation grundsätzlich ermöglichen.

Das Konzept der strategischen Improvisation wird bereits im Management oder der Krisenkommunikation genutzt. Schwedische Wissenschaftler haben das Konzept gemeinsam mit Praktikern auf das Kommunikationsmanagement übertragen. Dafür haben sie die Ergebnisse aus Erfahrungsberichten von strategischen Improvisateuren in der Kommunikationsbranche mit der bestehenden Theorie verknüpft.

Was strategische Improvisateure ausmacht

Improvisateure sind Menschen, die Entscheidungen ohne große Vorbereitung treffen, die handeln, ohne auf Erlaubnis zu warten. Sie können als Rebellen mit einer Mission gesehen werden, die aber trotz allem immer in einem gegebenen Rahmen agieren. Improvisateure sehen Veränderungen nicht als Bedrohung, sondern als Chance für neue Ideen. Sie trauen sich, setzen sich Risiken aus, indem sie unabhängige Entscheidungen treffen. Diese Fähigkeiten nehmen mit einer hohen Berufserfahrung tendenziell zu. Strategische Improvisateure haben meist viele formelle und informelle Kontakte, sie verbringen den Großteil ihres Arbeitstags weit weg von ihrem Computer und unterhalten sich mit anderen, um wichtige Signale „von außen“ aufzunehmen. Nicht zuletzt arbeiten sie proaktiv – stellen nicht nur Fragen, sondern tragen aktiv zu Antworten bei.

Was ein Unternehmen dafür bieten muss

Solche Freigeister könne ihre Talente nicht in jedem Unternehmen frei entfalten. Hierfür braucht es Strukturen, die auf Mitarbeiter-Initiative setzen und ein generelles Vertrauen in die Fähigkeiten der Kollegen. Unternehmen mit einer positiven Fehlerkultur bringen eher erfolgreiche Improvisateure und damit Innovationen hervor. Die zentrale Anforderung ist jedoch, in der Kommunikationsabteilung einen Strategie-Rahmen zu bieten, in dem sich solche Spezialisten sicher bewegen können. Dabei helfen keine langen, abstrakten Leitbilder, sondern kurze, prägnante Strategien, die für die Kommunikatoren immer ein Argument in allen möglichen Entscheidungen bieten.

Es geht also nicht darum, dass Improvisateure ständig „outside the box“ denken und handeln. Viel wichtiger ist es, dass Unternehmen eine optimale Box in Form einer Struktur zur Verfügung stellen, in der sich die Angestellten frei und flexibel bewegen können. So ist es ihnen möglich, sich mit einer vorbestimmten Struktur schnell an die Realität anzupassen.

  • Strategische Improvisateure sind spontan, offen für Neues, risikoaffin, proaktiv und gut vernetzt
  • Wichtig ist der Rahmen, der durch das Unternehmen vorgegeben wird
  • Unternehmen sollten auf Mitarbeiter-Initiative und Vertrauen setzen und eine positive Fehlerkultur pflegen
  • Qualitative Inhaltsanalyse: 25 Erfahrungsberichte von schwedischen Kommunikationspraktikern  
  • Verknüpfung der Erkenntnisse mit bestehender Theorie

Weiterlesen: Falkheimer, J., Sandberg, K. G. (2018). The art of strategic improvisation: A professional concept for contemporary communication managers. Journal of Communication Management, 22(2), 253-258.

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