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Warum Vertrautheit Fake News glaubwürdig macht

Lesedauer: 3 Minuten

Stellen Sie sich vor, Sie entdecken im Internet eine Nachricht, die Ihnen bekannt vorkommt. Allein dieses Gefühl der Vertrautheit reicht oft schon aus, damit unser Verstand eine Lüge für die Wahrheit hält. Doch wie sicher können wir heute noch zwischen echten Informationen und gezielter Täuschung unterscheiden?

Der Kommunikationswissenschaftler Ralf Hohlfeld untersucht im Rahmen einer quantitativen experimentellen Studie an der Universität Passau die Dynamiken digitaler Desinformation. Das methodische Design bettet ein Experiment mit manipulierten und verifizierten Nachrichten in zwei Online-Befragungen ein, um die gesellschaftliche Risikowahrnehmung, die individuelle Erkennungskompetenz sowie entscheidende Schutzfaktoren gegenüber Fake News empirisch zu bestimmen.

Viele unterschätzen ihre eigene Anfälligkeit

Die Studie zeigt, dass viele Menschen Desinformation als ernstes Problem wahrnehmen. Sie sehen Fake News als gezieltes Mittel, um Meinungen zu steuern und politische Prozesse zu beeinflussen. Besonders in sensiblen Phasen wie Wahlkämpfen wächst die Sorge, dass falsche Informationen das öffentliche Meinungsbild verzerren und die Demokratie schwächen.

Gleichzeitig besteht ein Problem mit der Selbsteinschätzung. Viele halten vor allem andere für anfällig für solche Einflüsse. Die eigene Anfälligkeit schätzen sie dagegen als gering ein. So entsteht ein Widerspruch: Man erkennt die große gesellschaftliche Gefahr, fühlt sich selbst aber weitgehend immun gegenüber dieser Form der Manipulation.

Vertrautheit fühlt sich wie Wahrheit an

Viele Menschen erkennen Falschmeldungen nur begrenzt. Sie identifizieren oft nur einen Teil der falschen Inhalte zuverlässig und nur wenige unterscheiden durchgehend korrekt zwischen wahr und falsch. Viele haben Schwierigkeiten, Inhalte richtig einzuordnen.

Wie gut jemand Falschmeldungen erkennt, hängt stark vom Inhalt ab. Offensichtlich erfundene Meldungen fallen eher auf. Deutlich schwerer zu durchschauen sind jedoch solche, die reale Informationen aufgreifen und gezielt verdrehen. Sie wirken plausibel und täuschen dadurch leichter.

Wenn Menschen eine Meldung mehrfach sehen, wirkt sie vertraut. Dieses Gefühl von Bekanntheit macht Inhalte glaubwürdiger, auch wenn sie falsch sind. Fehler fallen dann weniger auf, weil Vertrautheit Sicherheit vermittelt. Das erschwert den Umgang mit Desinformation. Falschmeldungen verbreiten sich oft schnell und erreichen viele Menschen. Korrekturen folgen später und finden weniger Aufmerksamkeit. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die falsche Information häufig schon im Kopf festgesetzt und bleibt nur schwer zu korrigieren.

Bildung rettet

Mehrere Faktoren erhöhen die Fähigkeit, Falschmeldungen zu erkennen. Bildung spielt eine zentrale Rolle. Wer über mehr Wissen und Kompetenzen verfügt, prüft Inhalte meist kritischer und ordnet sie sicherer ein.

Ebenso entscheidend ist die Wahl der Informationsquellen. Es kommt weniger darauf an, wie viele Medien genutzt werden, sondern welche. Verlässliche Nachrichtenangebote wie die Tagesschau erhöhen die Chance, Falschmeldungen zu erkennen.

Politisches Interesse und Engagement stärken ebenfalls die Urteilsfähigkeit. Wer sich aktiv mit politischen Themen auseinandersetzt, hinterfragt Inhalte häufiger und genauer. Unterschiede zeigen sich auch in der politischen Orientierung. Teilnehmende mit einer progressiven, eher linken Einstellung haben Desinformationen geringfügig besser als Befragte aus dem bürgerlich-konservativen Lager erkannt. Die Studie führt dies auf eine grundsätzlich kritischere oder skeptischere Grundeinstellung gegenüber Medieninhalten zurück. Diese hilft Teilnehmenden, gefälschte Nachrichten schneller zu entlarven.

 

TOP 3
LEARNINGS

  1. Wiederholung erzeugt Wahrheit: Nur weil eine Nachricht vertraut wirkt, ist sie nicht wahr. Das Gehirn verwechselt Erinnerung oft mit Glaubwürdigkeit.
  2. Qualität vor Quantität: Viel Medienkonsum schützt nicht. Die Quelle entscheidet. Wer gezielt Qualitätsmedien (wie Tagesschau oder etablierte News-Apps) nutzt, dem gelingt es deutlich leichter, Fake News zu entlarven.
  3. Aktivismus als Schutzschild: Neben einer hohen Bildung ist vor allem aktives politisches Engagement ein wirksamer Schutz gegen Manipulation. Wer Parteiprogramme liest oder debattiert, hinterfragt Informationen intensiver.

Zur Studie

Autor:innen: Ralf Hohlfeld

Methode: Quantitatives, experimentelles Studiendesign, das in eine Online-Befragung eingebettet wurde

Stichprobe: Wahlberechtigte Bürger:innen in Deutschland; insgesamt 1.021 Teilnehmende in der ersten Welle (2017) und 1.042 Teilnehmende in der zweiten Welle (2020)

Erhebungszeitraum: Die Studie wurde zu zwei Zeitpunkten durchgeführt: in der zweiten Julihälfte 2017 (vor der Bundestagswahl) sowie im Januar 2020

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