Eine Studie der Helmut-Schmidt-Universität aus Hamburg zeigt: Die informelle Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden ist zentral für ein gesundes Arbeitsumfeld. Der Austausch ist besonders effektiv, wenn Vorgesetzte die Gesprächsthemen an die jeweiligen Mitarbeitenden anpassen.
Die Gesundheit der Beschäftigten sollte langfristig zu einem zentralen Thema gemacht werden, wenn Unternehmen die Krankheitstage reduzieren wollen. Das Verhalten der Führungskräfte spielt für die Gesundheit der Mitarbeitenden eine große Rolle. Es hat sich sogar ein eigener Begriff dafür etabliert: Der gesundheitsorientierte Führungsstil. Ein zentraler Bestandteil davon ist das sogenannte „StaffCare“.
Die Studienautor:innen Katharina Bruhn, Dorothee Tautz und Jörg Felfe definieren StaffCare als ein Verhalten von Führungskräften, das die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden fördert. Dazu gehört, gesundheitliche Warnsignale früh zu erkennen und gute Arbeitsbedingen zu gestalten. Die Führungskräfte brauchen eine gute Beziehung zu ihren Mitarbeitenden, um das umsetzen zu können. Diese entsteht vor allem, wenn beide regelmäßig im Austausch bleiben.
Kommunikation als Lösung
Durch regelmäßige Gespräche können Vorgesetzte erkennen, wie es ihren Mitarbeitenden geht. So bemerken sie gesundheitliche Warnsignale früh und können die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden fördern. Dabei stellt sich die Frage: Wird ein häufiger Austausch von den Mitarbeitenden als wirksam empfunden?
Die Studie untersucht, wie Mitarbeitende das StaffCare-Verhalten der Führungskräfte wahrnehmen, wobei die Perspektive der Vorgesetzten nicht einbezogen wurde.
Die Studienergebnisse zeigen: Bei regelmäßigen Gesprächen nehmen Mitarbeitende stärker wahr, dass ihre Führungskraft auf ihre Gesundheit achtet und sich für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen einsetzt. Missverständnisse und andere Kommunikationsbarrieren können diese Wahrnehmung beeinträchtigen.
Der Kaffeeplausch bleibt wichtig
Mitarbeitende kommunizieren den ganzen Tag: Von wichtigen Meetings bis zum Plausch an der Kaffeemaschine. Die Studienergebnisse zeigen, dass Gesundheitsthemen in informellen Gesprächen, beispielsweise an der Kaffeemaschine, besonders gut vermittelt werden können. Mitarbeitende nehmen besonders in diesen Situationen die gesundheitsfördernden Bemühungen ihrer Führungskraft wahr, so die Studie.
Die informelle Kommunikation lässt sich in Small Talk und Deep Talk unterscheiden, je nachdem, wie persönlich das Gespräch ist. Während sich Small Talk auf oberflächliche Dinge bezieht, werden beim Deep Talk über sehr persönliche Themen gesprochen.
Trotz starker inhaltlicher Unterschiede nehmen die Studienteilnehmenden bei beiden Gesprächsarten das gesundheitsorientierte Führungsverhalten wahr. Besonders bei Deep Talk fällt dieser Eindruck noch stärker aus als bei Small Talk.
Deep Talk mit Vorsicht
Da tiefere Gespräche besonders wirksam für die Vermittlung von Gesundheitsthemen erscheinen, könnte es für Führungskräfte naheliegend sein, mit allen Mitarbeitenden nur noch Deep Talk zu führen. Allerdings wäre das keine angemessene Lösung, denn nicht zu jedem Mitarbeitenden passt die gleiche Gesprächsart. Während mit manchen Mitarbeitenden Deep Talk gut funktioniert, kann es für andere abschreckend wirken. Demnach ist hier das Feingefühl der Führungskraft gefragt.
Die Studienergebnisse heben zentral hervor, dass die Beziehungsdauer zwischen der Führungskraft und Mitarbeitenden entscheidend für die Wahl der Gesprächstiefe ist. Besteht die Zusammenarbeit noch nicht lange, wirkt Small Talk oft stärker. Kennen sie sich schon länger, vermittelt Deep Talk die gesundheitsbezogene Unterstützung besser. Allerdings vermuten die Autor:innen, dass die Gespräche im Laufe der Zeit und mit längerer Zusammenarbeit persönlicher werden.
Es kommt auf die Führungskraft an
Die Studie untersucht vorrangig den Effekt von Kommunikation auf den gesundheitsorientierten Führungsstil. Dennoch lassen sich die zentralen Erkenntnisse auch auf andere Führungsstile übertragen, weil Kommunikation die Basis jeder Führungskraft-Mitarbeitenden-Beziehung bildet.
Für Vorgesetzte bedeutet das, gezielt Raum für informelle Gespräche zu schaffen und zu nutzen. Die Studienautor:innen empfehlen Vorgesetzten, häufiger kurze Gespräche zu führen. So wissen sie, wie es ihren Mitarbeitenden geht und vermeiden Missverständnisse. Außerdem sollte die Führungskraft darauf achten, ob Small Talk oder Deep Talk Gespräche besser zum jeweiligen Mitarbeitenden passen.
Insgesamt legen die Ergebnisse nahe: Kommunikation kann ein zentraler Hebel sein, um ein gesundheitsförderliches Arbeitsumfeld zu gestalten.
TOP 3
LEARNINGS
- Die Führungskräfte sollten häufig mit den Mitarbeitenden in den Austausch gehen, um gesundheitliche Warnsignale zu erkennen.
- Vor allem informelle Kommunikation ist relevant für die Wahrnehmung von gesundheitsorientiertem Führungsverhalten.
- Small Talk und Deep Talk können gesundheitsorientiertes Verhalten vermitteln, die Wahl der Gesprächstiefe muss aber auf den jeweiligen Mitarbeitenden abgestimmt werden.
Zur Studie
Autor:innen: Katharina Bruhn, Dorothee Tautz und Jörg Felfe
Methode: Studie 1: Online-Umfrage in zwei Wellen, Studie 2: Online-Umfrage
Stichprobe: Studie 1: 360 Teilnehmende, Studie 2: 199 Teilnehmende