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Was Unternehmen in der Homeoffice-Debatte übersehen

Lesedauer: 3 Minuten

Wie oft sollten Beschäftigte ins Büro kommen? Über diese Frage wird seit Jahren gestritten. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass Unternehmen auf den falschen Aspekt schauen.

Montagmorgen, 9 Uhr. Die einen sitzen bereits im Büro, die anderen arbeiten von zu Hause. Trotzdem gehören sie zum selben Team. Sie müssen Informationen austauschen, Entscheidungen abstimmen und gemeinsam Aufgaben lösen. In vielen Unternehmen wird daher noch immer diskutiert, welches Modell das bessere ist. Braucht es mehr Präsenztage oder möglichst viel Freiheit bei der Wahl des Arbeitsortes?

Während die einen den persönlichen Austausch im Büro für unverzichtbar halten, sehen die anderen die Vorteile vor allem in der größeren Flexibilität und einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Eine aktuelle Studie von Brandt, Philippsen, Angerer und weiteren Forschenden legt nahe, dass nicht entscheidend ist, wie viele Stunden Menschen im Homeoffice verbringen, sondern wie gut die Kommunikation funktioniert.

Wenn Austausch den Unterschied macht

Für ihre Untersuchung haben die Forschenden 532 Beschäftigte verschiedener Unternehmen befragt, wobei keine Führungskräfte einbezogen wurden. Beschäftigte, die den Austausch mit Kolleg: innen als gut erlebten, beschrieben sich als zufriedener und produktiver. Gleichzeitig fühlten sie sich weniger belastet. Dabei gehe es nicht nur darum, ob digitale Werkzeuge vorhanden sind. Viel wichtiger sei es, ob Informationen zuverlässig ankämen, Fragen schnell geklärt würden und Zusammenarbeit auch auf Distanz funktioniere.

Homeoffice kann entlasten – oder belasten

Besonders interessant ist der Blick auf die Wechselwirkungen von Arbeit und Privatleben. Viele Unternehmen erhoffen sich durch Homeoffice eine bessere Vereinbarkeit für ihre Beschäftigten, etwa weil sich Arbeitszeiten flexibler an familiäre Verpflichtungen anpassen lassen. 

Die Studie zeigt, dass dies unter bestimmten Bedingungen stimmt. Wer gut mit Kolleg:innen vernetzt ist und sich ausreichend informiert fühlt, erlebt mit zunehmenden Homeoffice-Tagen weniger Konflikte zwischen Beruf und Privatem. Das Arbeiten von zu Hause kann dann entlasten und den Alltag erleichtern.

Fehlt dieser Austausch, kehrt sich der Effekt um. Mehr Homeoffice geht dann mit stärkeren Spannungen zwischen Arbeits- und Privatleben einher. Beschäftigte haben dann häufiger das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen oder wichtige Informationen zu verpassen.

Flexibilität schlägt starre Vorgaben

Beim Blick auf unterschiedliche Arbeitsmodelle zeigt sich, dass Beschäftigte mit festen Bürotagen im Durchschnitt weniger produktiv sind als Personen, die ihren Arbeitsort flexibel wählen können.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Form von Flexibilität automatisch erfolgreich ist. Auch hier entscheidet die Qualität des Austauschs. Wer frei wählen kann, aber schlecht eingebunden ist, profitiert deutlich weniger von dieser Freiheit.

Mitbestimmung zahlt sich aus

Kommunikation und Mitbestimmung scheinen sich gegenseitig zu verstärken. Wer Einfluss auf die eigene Arbeitssituation hat, erlebt Veränderungen eher als Unterstützung und nicht als Vorgabe von oben.

Bemerkenswert ist zudem ein Ergebnis, das viele Führungskräfte überraschen dürfte: Die Befragten, die vollständig frei über ihren Arbeitsort entscheiden können, wählen im Durchschnitt rund drei Tage Homeoffice pro Woche. Die meisten entscheiden sich also weder für vollständige Präsenz noch für vollständiges Homeoffice.

Was das für Unternehmen bedeutet

Statt über die ideale Zahl von Bürotagen zu diskutieren, sollten Unternehmen stärker auf die Qualität ihrer internen Kommunikation schauen. Wer hybride Arbeit erfolgreich gestalten möchte, braucht deshalb mehr als technische Lösungen und Anwesenheitsregeln. Entscheidend ist, dass Menschen miteinander verbunden bleiben – unabhängig davon, von welchem Ort aus sie arbeiten.

TOP 3
LEARNINGS

  1. Kommunikation vor Präsenz: Nicht die Anzahl der Homeoffice-Tage entscheidet über Produktivität und Zufriedenheit, sondern die Qualität des Austauschs.
  2. Flexibilität braucht Verbindung: Homeoffice entfaltet seine Vorteile nur dann, wenn Beschäftigte gut informiert und in Teams eingebunden sind.
  3. Mitbestimmung stärkt Akzeptanz: Wer Beschäftigte an Entscheidungen über Arbeitsmodelle beteiligt, fördert Zufriedenheit, Leistung und Vertrauen.

Zur Studie

Autor:innen: Jörn Brandt, Ana Philippsen, Peter Angerer, Nico Dragano, Claudia Pischke,

Louisa Scheepers, Axel Buchner, Stefan Süß

Methode: Quantitative Befragung, multiple Regressionsanalysen

Stichprobe: 532 Beschäftigte verschiedener Unternehmen

Erhebungszeitraum: Befragung im Jahr 2023

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