Warum der Plausch in der Kaffeeküche Gold wert ist
In vielen Unternehmen läuft Kommunikation über Meetings, E-Mails und festgelegte Prozesse ab – schließlich zählt jede Minute. Doch eine neue Studie der Universität Mainz zeigt: Die wirklich wichtigen Gespräche finden oft auch nebenbei statt – auf dem Flur, im Pausenraum oder in der Kaffeeküche.
Small Talk? Von wegen!
Was auf den ersten Blick nach belanglosem Geplauder aussieht, erfüllt laut den Forschenden gleich mehrere zentrale Funktionen. Beim informellen Austausch klären Mitarbeitende Absprachen, teilen Informationen und lösen kleinere Probleme häufig schneller als über formelle Wege. Gleichzeitig stärkt der Dialog das Gemeinschaftsgefühl und die Identifikation mit dem Unternehmen. Im besten Fall entstehen daraus persönliche Bindungen oder Freundschaften – ein Gewinn für das Arbeitsklima.
Reden hilft – auch gegen Stress
Der kurze Plausch hat auch noch einen weiteren positiven Effekt: Er wirkt wie ein Ventil im oft stressigen Arbeitsalltag. Informelle Gespräche schaffen Raum für Emotionen, bieten die Möglichkeit, sich zu entspannen und sie schenken neue Energie. Die Forschenden gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie sehen in gezielter Förderung solcher Gespräche ein Mittel gegen Burnout und Fluktuation.
Wer besonders profitiert
Die Studie zeigt: Vor allem jüngere Mitarbeitende und Frauen nutzen informelle Kommunikationswege, um Beziehungen zu knüpfen und mit Belastungen umzugehen. Und auch größere Teams profitieren, denn der „Flurfunk“ schafft Übersicht im Informationsdschungel.
Führungskräfte haben laut Ergebnissen übrigens eine Schlüsselrolle: Sie sollten aktiv Raum für Austausch schaffen und so den Teamzusammenhalt stärken.
Mehr Flurfunk bitte!
Was früher als Zeitverschwendung galt, sollte heute als wichtiger Teil der Unternehmenskultur anerkannt und gezielt gefördert werden – sei es durch offene Büros, digitale Vernetzungs-Tools oder regelmäßige Team-Events. Wichtig dabei: Der Austausch muss freiwillig bleiben und die individuellen Anforderungen der Mitarbeitenden berücksichtigen.
Wer also in informelle Kommunikation investiert, schafft mehr als ein gutes Miteinander. Motivation, Teamleistung und das seelische Wohlbefinden im Unternehmen werden gestärkt. Kurz gesagt: Ein guter Plausch kann Wunder bewirken.
TOP 3
HANDLUNGS
EMPFEHLUNG
1. Wert und Wirkung anerkennen: Führungskräfte sollten den „Flurfunk“ nicht als Zeitverschwendung abtun, sondern als essentiellen Teil der Unternehmenskultur ansehen
2. Raum für Begegnungen schaffen: Mit gezielten Aktivitäten, Maßnahmen und Events sollte der informelle Austausch bewusst gefördert werden
3. Austausch individuell gestalten: Auf Freiwilligkeit und Bedürfnisse der Mitarbeitenden achten
Autor:innen: Nora Denner, Alicia Ernst, Thomas Koch, Benno Viererbl
Methode: Quantitative Online-Befragung
Stichprobe: 1.380 Beschäftigte aus verschiedenen Branchen in Deutschland
Erhebungszeitraum: keine Angabe